2007 - Neukonzeption durch Orgelbau Schumacher, Baelen
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Im Zuge der Neukonzeption der Orgel in St. Cäcilia durch Orgelbau Schumacher wurden zahlreiche Veränderungen am und im Instrument vorgenommen, die hier kurz beschrieben werden sollen:
Die auffälligste optische Erneuerung ist die Veränderung des „Gesichtes“ der Orgel. Im Rückpositiv wurden neue Pfeifen aus Metall eingesetzt und kleine geschnitzte Bekrönungen ergänzt, um ein einheitliches Gesamtbild zwischen dem schönen historischen Hauptgehäuse und dem später hinzugefügten Rückpositiv herzustellen.
Die zweite optische Veränderung ist der neue Spieltisch der Orgel. Nachdem fest stand, dass der alte Spieltisch nicht mehr wiederverwendet werden konnte, wurde von Orgelbau Schumacher in Zusammenarbeit mit Herrn Ulrich Karg, dem Kantor an St. Cäcilia, ein neuer Spieltisch entworfen, dessen Äußeres einerseits zum Stil der Orgel passen sollte, andererseits aber auch den Anforderungen heutiger Spielpraxis Rechnung tragen musste. Das Gehäuse des Spieltischs ist in massiver Eiche ausgeführt und ebenso wie die Orgelbank mit neugotischen Verzierungen versehen. Die Registerzüge sind in Ebenholz erstellt, die Registernamen von Hand auf Porzellanschilder aufgemalt und von schmalen messingfarbenen Rahmen eingefasst. Die Untertasten der Klaviaturen wurden aus Knochen, die Obertasten aus Ebenholz gefertigt. Im Inneren des Spieltischs verbirgt sich ein leistungsfähiger Computer der über ein USB-Kabel die Spielimpulse zu einem Empfängerbaustein in das Orgelgehäuse überträgt. So besteht nun unter anderem die Möglichkeit, 3000 Registrierungen vor dem Spiel abzuspeichern und später per Knopfdruck abzurufen.
Die gesamte Elektronik, die für die Übertragung der Spielimpulse zu den Pfeifen verantwortlich ist, wurde erneuert, circa 100 Meter neue Kabel verlegt und neue, extrem leise Schleifenzugmagnete eingebaut. Diese Arbeiten übernahm im Auftrag von Orgelbau Schumacher Andreas Seul aus Linden bei Gießen. Der gesamte Einbau der elektronischen Bauteile, einschließlich des Anschlusses des neuen Spieltisches, dauerte nur eine Woche!
Da das Innere der Orgel stark verschmutzt war, mussten alle 2204 Pfeifen der Orgel ausgebaut werden. Anschließend wurde das gesamte Innenleben der Orgel gründlich von Staub und Russablagerungen befreit und die Pfeifen einzeln von Hand ausgeblasen und abgewaschen, damit sie wieder richtig klingen können. Zudem wurde das Hauptgehäuse zum Gewölbe hin geschlossen, um zu vermeiden, dass aufgewirbelter Staub oder Ruß in die Orgel fallen kann und der Zugang zum Orgelinneren erneuert, da die bisherige Konstruktion zu unsicher war und hohe Unfallgefahr bestand. Außerdem verstärkte Firma Schumacher die Wände des Schwellwerks und fertigte neue Schwelltüren. Dies dient sowohl der Klangwirkung der Orgel, wie der Isolierung der Rückwand des Instruments zum Turmraum hin. Abschließend wurde noch ein neues Gebläse in die Orgel eingebaut. Einen Teil dieser Aufgaben übernahm Orgelbauer Björn-Daniel Reich aus Köln, der sie im Auftrag von Orgelbau Schumacher fachmännisch ausgeführt hat.
Ausgehend vom Gutachten des Orgelsachverständigen des Erzbistums Köln, Herr Eckhard Isenberg, entwickelte Guido Schumacher zusammen mit Ulrich Karg, ein völlig neues Klangkonzept für die Orgel. Da ein nicht geringer Teil der Pfeifen vom Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten ist, lag es nahe, zu versuchen, sich dem ursprünglichen Klangcharakter der Orgel wieder anzunähern. Dabei sollten die klanglichen und baulichen Veränderungen, die im Laufe der Jahrzehnte am Instrument vorgenommen worden sind nicht verleugnet werden.
Aus diesem Grund wurden sechs Register, die aus der Zeit des letzten Umbaus stammten, gegen neue ausgetauscht. Vier Register sind innerhalb der Orgel umgesetzt worden, um mehr klangliche Varianten zu erreichen. Entstanden ist ein Instrument, auf dem zwar nahezu alle Epochen der Orgelmusik gespielt werden können, welches aber eindeutig für romantische deutsche und französische Orgelmusik besonders gut geeignet ist.
Der Inhaber der Orgelbaufirma Schumacher, Herr Guido Schumacher, hat in wochenlanger Arbeit jedem Register eine eigene Klangfarbe gegeben und dabei den Zusammenklang einzelner Registergruppen bzw. aller Register entscheidend verändert. Seinem hervorragenden Können und sehr großem Einfühlungsvermögen ist es zu verdanken, dass die Orgel nun einen eigenen, unverwechselbaren Klang besitzt.
Eckhard Isenberg schreibt in seinem Abnahmebericht vom 23.04.2007:
"Die Orgel in St. Cäcilia hat nach den umfangreichen Arbeiten wieder ein eigenes Gesicht erhalten. Während bei dem Fabritius/ Seifert-Instrument ein Nebeneinander von romantischen und neobarocken Registern zu beklagen war, hat der Intonateur, Herr Guido Schumacher, der Orgel ein eindeutig romantisches Gepräge gegeben. (...) Insgesamt verfügt die Orgel über eine erstaunliche Vielfalt an dynamischen Schattierungen. (...) Sehr angenehm ist das edle Plenum: Bei manchen Orgelneubauten der letzten Jahre wird der Gesamtklang extrem forciert, so dass spätestens beim Tutti-Spiel die akustische Schmerzgrenze überschritten ist - auch in Düsseldorf gibt es Beispiele solcher "Krawall-Orgeln". Glücklicherweise ist dies in Benrath nicht der Fall. (...) Wenn man den klanglichen Zustand der Orgel vor dem Umbau kennen gelernt hat, meint man wirklich, ein neues Instrument zu hören. Hier wurde (...) ein überaus gelungenes Konzept geschaffen, welches kaum Wünsche offen lässt. (...) Das Orgelprojekt in St. Cäcilia ist ein Musterbeispiel für den Umgang mit gewachsenen Strukturen. (...) Sowohl handwerklich als auch künstlerisch ist ein gelungenes Orgelwerk entstanden, auf welches die Gemeinde stolz sein kann."
Abschließend sei allen ganz herzlich gedankt, die an der Umsetzung der Restaurierungsarbeiten an der Orgel beteiligt waren!